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H_K_bucket_B_me_pixabay
photo by B_me_pixabay/creditfree

unter den im manifest beschriebenen umständen ging ja wiegesagt alles in die hose: alle drei. also hardware, software UND periodische ausscheidung. wie das schicksal es wollte, hatte ich in meiner not-schachtel auch eine nylonstrumpfhose drin. falls meine mal ne laufmasche haben sollte. ich bewegte mich also gebückt und breitbeinig den mehrere hundert meter langen weg zerknirscht in mein office, das ich alleine für mich haben durfte - an jenem verhängnisvollen tag. mit meiner großen reserve an splendiden papierservietten und meiner halbliter trinkflasche voll leitungswasser reinigte ich mich notdürftig (NOT-dürftig!). dann zog ich den total bekleckerten slip und die winter-strumpfhose aus, die nylonstru an (ohne hoserl) - und stopfte all dies großzügig mit weiteren servietten aus.
ich fuhr an diesem tag früher nachhause.
dort hatte ich schon einen ganz gewissen handlichen kübel im auge, in dem der supermarkt einst orangen-in-aktion verkauft hatte. der kam dann am nächsten tag mit ins büro. mit edding notierte ich drauf H+K (harn und kot). wer blöd fragte, was das kübelchen mit jener aufschrift denn eigentlich soll, konnte gerne die wahre antwort erfahren. denn schließlich befand ich mich im protest darüber, dass uns frauen unzureichende sanitäre bedingungen - kombiniert mit dem egoismus ein(ig)er (nicht-erkannter), das klo über gebühr lang ohne jegliche aktion zu besetzen. wo wir alle wissen, der gesamte trakt an fast ausschließlich anwesenheitspflichtigen frauen hat nur diese eine gottverdammte klo-kabine. der HK kübel ist damit die gangbare alternative zwischen sperrig zu offen zur schau getragenem campingklo und der windel. ich werde künftig in der verrichtung meiner arbeit und der verrichtung meiner notdurft nur noch mit dem HK kübel anzutreffen sein. wenn mich nämlich erneut eine keifende alte aus dem klo aussperrt und bösartig weiter unverrichteter stoffwechselausscheidung drin sitzen bleibt, dann habe ich immer noch mein kübelchen, um die notdurft im waschraum vor dem klo zu verrichten. alles streng antiseptisch.

Wir frauen des ‚fünften‘ stocks erheben anspruch auf ein ausweich-alternativ klo. Unter uns gibt es sich-nicht-outende asoziale, die im moment, wo sie merken, eine kollegin hat dringende notdurft und sie selbst sitzen gerade, dieses sitzen mit unnötigen übersprungshandlungen ad infinitum verlängern.
Die verursacherINNEN dieses übels konnten noch nicht ausgemacht werden, weisen aber auf einen eklatanten miss-stand in der sanitärversorgung unseres bürotraktes hin. Wer von uns notdurftgeplagten frauen schon mal schüchtern und demütigend das männerklo aufsuchen musste, erkannte, dass den herren der schöpfung zwei urinale, sowie zwei klozellen zur verfügung stehen.
Daraufhin haben wir uns zusammengeschlossen – gemeinsam mit der hiesigen betriebsrätin – und eine statistik der bürobesetzung, der entsprechenden geschlechter, wie auch der anwesenheiten beider aufgestellt. Die statistik ergab folgendes: 80% frauen, 20% männer. Anwesenheit: frauen zu hundert prozent ihrer planmäßigen dienstzeit, männer; 35-45% ihrer planmäßigen dienstzeit, da sie als technische fachmänner pouschalverträge haben, montage-außentermine und home-tele-work. 1x am tag müssen männer ihr großes geschäft verrichten. Das meiste geschäft geht in die urinale, woraufhin selbige als ganze klos gezählt werden. bei einem extrapolierten gesamtstand von 100 haben 20 männer haben vier klos, 80 frauen haben ein klo. Die männer werden durch ihre anwesenheit der plandienstzeit dividiert: also es zählen nur ~40% der männerzahl wegen der männerdienstzeit. 40% von 20 sind 8. Für 8 vollzeitäquivalente VZÄ vier klos. Für 80 weibliche vollzeitäquivalente ein klo. Wobei frauen länger brauchen: aus einer vielfalt an gründen. Wir dividieren die vier klos durch die 8 vzä männer. Macht ein klo für zwei männer. Bei frauen bleibt das ratio gleich. 80 frauen teilen sich ein klo. Die frauen, die mehr zeit am klo brauchen, haben 40 mal weniger klo als die männer! Hinzuzufügen ist, dass das ausweichen auf ein anderes stockwerk nicht möglich ist. Es sind sämtliche andere stockwerke als unser fünftes abgesperrt.
Mit betriebsrätin und gleichbehandlungskonsortium verlangen wir bei geschäftsführung, arbeiterkammer, BIG, gewerkschaft, gesundheitsministerium, direktorat, arbeitsinspektorat, dass eines der männerklos für die frauen als notklo umfunktioniert wird. Hierbei müssen die frauen an den urinalen vorbei. Hier genügt ein warnschrei, dass männer an den urinalen sich melden sollen, bevor sie beim geschäft entdeckt werden. schüchterne können auf ihr men-only gehen, auch fürs kleine geschäft. Das zweite männerklo wird als notklo für frauen betitelt. Wenn wieder eine asoziale anti-„kollegin“ stundenlang – keifend – die einzige kloschüssel besetzt, haben wir 79% notgeplagte rest-frauen zumindest EINE rettende ausweich-alternative. Wir werden dieses klo besetzen. Wir werden weiterhin keine arbeit mehr verrichten können, wenn wir elementare grundbedürfnisse des menschseins versagt bekommen. Und dies aufgrund einer fehlgeleiteten machistisch-anachronistischen missgeburtlichen planung aus der steinzeit der siebziger jahre. Ausdrückliche opfer der fehlplanung mussten bereits folgende zwei auswege in erwägung ziehen: ein campingklo im büroraum / windeln fürs ‚kleine‘. Oder maxi-binden, die die windeln ersetzen sollen.
Wir Frauen verlangen:
Das Recht, unsere Stoffwechselendprodukte zeitgerecht und fachgerecht zu entsorgen.
Das Recht, zu strullen.
Das Recht, zu durchfall’en.
Das Recht, zu kolikisieren.
Das RECHT, zu bluten.

 
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